Wiesenhof-Zulieferer: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Tierquälerei - Tiere nach Möckern transportiert
Rund 10.000 Hähnchen aus einem von ANINOVA aufgedeckten niedersächsischen Mastbetrieb wurden zum PHW-Schlachthof nach Möckern in Sachsen-Anhalt transportiert. Nun gibt es neue Entwicklungen in dem Fall: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen der Vorgänge in dem Mastbetrieb. Das zuständige Veterinäramt bewertet den auf Video dokumentierten Umgang einer Fangkolonne mit den Tieren als "hochgradig tierschutzwidrig" und hat Strafanzeige erstattet. Auch die PHW-Gruppe, zu der die bekannte Geflügelmarke Wiesenhof und der Schlachthof in Möckern gehören, bezeichnet das Verhalten der Fangkolonne als "nicht akzeptabel" und hat dem betroffenen Landwirt ebenfalls zu einer Strafanzeige geraten.
Die Tierrechtsorganisation ANINOVA hatte vor wenigen Wochen Bildmaterial aus einem Hähnchenmastbetrieb in Deinste im niedersächsischen Landkreis Stade veröffentlicht. Die Aufnahmen aus dem Februar 2026 wurden der Organisation Ende Juli zugespielt. Sie zeigen unter anderem verletzte und bewegungsunfähige Hähnchen, tote Tiere zwischen lebenden Artgenossen sowie einen brutalen Umgang mit den Tieren während der sogenannten Ausstallung. Dabei werden Hähnchen von Beschäftigten einer Fangkolonne getreten, geworfen und grob in Transportbehälter befördert.
Besondere Bedeutung hat der Fall auch für Sachsen-Anhalt: Interne Unterlagen, die ANINOVA vorliegen, zeigen, dass aus einem Mastdurchgang des betroffenen Betriebes in Deinste rund 10.000 Hähnchen zum PHW-Schlachthof nach Möckern transportiert wurden. Die Tiere mussten dafür eine fast 300 Kilometer lange Strecke zurücklegen. Rund 10.000 weitere Hähnchen aus demselben Bestand wurden dagegen zum deutlich näher gelegenen PHW-Schlachthof in Lohne in Niedersachsen gebracht.
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen der Vorgänge in dem Betrieb in Deinste. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 1103 Js 54937/26 geführt. ANINOVA hatte nach Erhalt des Materials Strafanzeige erstattet und die zuständige Veterinärbehörde informiert.
Auch das für den Betrieb in Deinste zuständige Veterinäramt hat nach Sichtung des von ANINOVA zur Verfügung gestellten Videomaterials Strafanzeige wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Nach Angaben der Behörde ist auf den Aufnahmen beim Fangen und Verladen der Hähnchen ein "hochgradig tierschutzwidriges Verhalten einzelner Mitglieder der Fängerkolonne" zu sehen.
Neue Informationen der Behörde zeigen zudem, dass bei Kontrollen des Betriebes bereits in der Vergangenheit wiederholt Mängel festgestellt wurden. Allein im Jahr 2025 wurde der Betrieb nach Angaben des Veterinäramtes 15-mal kontrolliert. Bei der bislang letzten Kontrolle am 4. September 2026 stellte die Behörde erneut Mängel im Bereich der Biosicherheit fest.
Auch die PHW-Gruppe kritisiert das auf den Aufnahmen dokumentierte Vorgehen der Fangkolonne. Das Verhalten sei "nicht akzeptabel und sollte schnellstmöglich einer tierschutzrechtlichen Bewertung unterzogen werden". Nach Angaben des Unternehmens wurde dem Landwirt zudem angeraten, selbst Strafanzeige gegen die beteiligten Personen der Fangkolonne zu erstatten.
"Die neuen Entwicklungen zeigen, wie gravierend die dokumentierten Vorgänge sind. Das Veterinäramt spricht selbst von hochgradig tierschutzwidrigem Verhalten und hat Strafanzeige erstattet. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen", sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA. "Besonders erschreckend ist, dass die Tiere nach dieser Behandlung noch stundenlang transportiert wurden - ein Teil von ihnen fast 300 Kilometer bis zum Schlachthof nach Möckern."
Aus Sicht von ANINOVA werfen die langen Transportwege zusätzliche Fragen auf. Denn während ein Teil der Tiere nach Möckern in Sachsen-Anhalt gebracht wurde, wurden weitere Hähnchen aus demselben Stall im deutlich näher gelegenen Lohne in Niedersachsen geschlachtet.
"Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum Tiere fast 300 Kilometer quer durch Deutschland transportiert werden, wenn gleichzeitig ein deutlich näher gelegener Schlachthof desselben Konzerns beliefert wird", so Peifer. "Für die Tiere bedeutet jeder zusätzliche Kilometer weitere Belastungen. Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie sehr Tiere in der industriellen Tierhaltung als Ware behandelt und den wirtschaftlichen und logistischen Abläufen eines Systems untergeordnet werden."
ANINOVA fordert eine umfassende strafrechtliche Aufarbeitung der Vorgänge. Dabei dürfe sich der Blick nicht ausschließlich auf einzelne Beschäftigte der Fangkolonne richten.
"Dieser Fall zeigt sehr deutlich, dass Kontrollen allein die Tiere nicht schützen", sagt Peifer. "Wenn ein Betrieb allein innerhalb eines Jahres 15-mal kontrolliert wird und trotzdem solche Zustände möglich sind, muss man sich fragen, welchen Wert diese Kontrollen tatsächlich haben."
ANINOVA liegt darüber hinaus Bildmaterial aus einem weiteren Wiesenhof-Zulieferbetrieb in Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta vor. Auch dort dokumentieren die Aufnahmen erhebliche Missstände in der Hähnchenmast. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt auch in diesem Fall. Nach den ANINOVA vorliegenden Informationen wurden Tiere aus diesem Betrieb jedoch nicht zum Schlachthof nach Möckern transportiert.
ANINOVA fordert grundsätzlich ein Ende der industriellen Tierhaltung. "Wer verhindern möchte, dass Tiere für Lebensmittel gehalten, transportiert und getötet werden, kann mit einer pflanzlichen Ernährung unmittelbar dazu beitragen", so Peifer. ANINOVA setzt sich für eine Welt ein, in der Tiere nicht für menschliche Zwecke ausgebeutet werden, und ermutigt Menschen zu einem veganen Lebensstil.
Weitere Informationen zum Betrieb in Deinste hier.
Foto- und Videomaterial steht für die redaktionelle Berichterstattung zur Verfügung.
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06. Oktober 2026 | ID: 12553 | Artikel löschen |
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