Getreten, geworfen, misshandelt: Tierquälerei bei Wiesenhof-Zulieferern

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Getreten, geworfen, misshandelt: Tierquälerei bei Wiesenhof-Zulieferern

Kranke und verletzte Hähnchen, die offenbar sich selbst überlassen werden, tote Tiere zwischen lebenden Artgenossen und ein brutaler Umgang beim sogenannten Ausstallen: Der Tierrechtsorganisation ANINOVA liegt umfangreiches Foto- und Videomaterial aus zwei Hähnchenmastbetrieben in Niedersachsen vor. In den Anlagen werden jeweils rund 20.000 beziehungsweise mehr als 40.000 Tiere gehalten. Die Aufnahmen stammen aus Februar 2026 und wurden ANINOVA Ende Juli zugespielt. Unmittelbar danach informierte die Tierrechtsorganisation die zuständigen Veterinärbehörden und erstattete bei der Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Oldenburg Strafanzeige.


Die Aufnahmen aus beiden Betrieben zeigen kranke und verletzte Tiere, bei denen keine Versorgung oder Separierung erkennbar ist. Teilweise liegen tote Hähnchen zwischen den lebenden Tieren. Einige Kadaver wirken aufgrund ihres Zustands so, als seien sie bereits seit längerer Zeit nicht aus dem Stall entfernt worden. Besonders gravierend sind Aufnahmen aus einem der Betriebe, die auch die sogenannte Ausstallung dokumentieren. Dabei werden die schlachtreifen Tiere von einem Fangtrupp eingefangen und in Transportboxen verladen. Die Videos zeigen, wie Hähnchen grob gepackt, kopfüber getragen, geworfen und teilweise getreten werden."Die Bilder sind erschreckend. Kranke und verletzte Tiere werden offenbar sich selbst überlassen, tote Tiere liegen im Stall und beim Ausstallen werden die Hähnchen teilweise brutal behandelt", sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA. Beide Betriebe stehen in einer Lieferbeziehung zur PHW-Gruppe, wie das Unternehmen ANINOVA auf Anfrage bestätigte. Die PHW-Gruppe ist die Nummer eins im deutschen Geflügelsektor und zählt europaweit zu den führenden Geflügelunternehmen. Bekannt ist der Konzern vor allem durch seine Geflügelmarke Wiesenhof. Beide Betriebe sind zudem Teilnehmer der Initiative Tierwohl (ITW).


In Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta werden rund 43.000 Hähnchen in einer fensterlosen Stallanlage gemästet. Vor der Anlage weist ein Schild darauf hin, dass Unbefugten das Betreten verboten ist. Ein Rechercheteam dokumentierte dennoch die Zustände im Inneren des Stalls.

Die Bilder zeigen dicht gedrängte Tiere sowie mehrere tote Hähnchen. Einige Kadaver weisen deutliche Veränderungen auf und erwecken den Eindruck, bereits seit längerer Zeit im Stall gelegen zu haben. Zudem sind kranke und geschwächte Tiere zu erkennen. Eine Separierung oder Behandlung dieser Tiere ist auf den Aufnahmen nicht erkennbar. Besonders eindrücklich ist ein Hähnchen, das auf dem Rücken liegt und offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, sich aus eigener Kraft aufzurichten.

Brisant ist auch die Kontrollhistorie des Betriebes: Nach Auskunft des zuständigen Veterinäramtes wurde der Betrieb innerhalb der vergangenen 24 Monate 29-mal kontrolliert. Dabei seien keinerlei Beanstandungen festgestellt worden. Sämtliche Kontrollen waren jedoch angekündigt.

"29 angekündigte Kontrollen, keine einzige Beanstandung - und dann zeigen Aufnahmen aus dem Stall solche Zustände. Das zeigt einmal mehr, wie wenig aussagekräftig Kontrollen sein können", kritisiert Peifer.


Auch aus einem Hähnchenmastbetrieb in Deinste im Landkreis Stade liegt ANINOVA erschreckendes Foto- und Videomaterial vor. In den fensterlosen Hallen werden rund 20.000 Hähnchen gemästet. Eingesetzt wird die schnell wachsende Mastlinie Ross 308. Innerhalb von rund 30 Tagen werden die Tiere dort bis zur Schlachtreife gemästet.

Auch hier zeigen die Aufnahmen tote, kranke und geschwächte Tiere. Eine konsequente Separierung erkrankter Hähnchen ist auf dem Material nicht erkennbar.

Darüber hinaus liegen ANINOVA interne tierärztliche Bestandsunterlagen aus dem Betrieb vor. Darin sind konkrete Mängel und Behandlungen dokumentiert. So wurde unter anderem festgehalten, dass sich verschimmelte Futterreste in der Fütterungsanlage befanden und Tränken teilweise zu niedrig eingestellt waren.

Die Unterlagen belegen außerdem den Einsatz von Antibiotika beim gesamten Tierbestand. Das Medikament wurde gezielt über das Trinkwasser verabreicht und damit nicht lediglich einzelnen erkrankten Hähnchen, sondern allen rund 20.000 Tieren des Bestandes.



Besonders drastisch ist das dokumentierte Ende des Mastdurchgangs. Bei der sogenannten Ausstallung werden die Tiere von einem Fangtrupp eingefangen und für den Transport verladen. Die Videos zeigen einen äußerst groben Umgang: Hähnchen werden unter anderem an Kopf und Flügeln gepackt und gerissen, kopfüber getragen und in Transportboxen geworfen. Teilweise werden Tiere wie ein Fußball getreten.

Mehrere der dokumentierten Handlungen verstoßen aus Sicht von ANINOVA gegen die europäische Tierschutztransportverordnung. Diese verbietet unter anderem ausdrücklich, Tiere zu schlagen oder zu treten sowie sie in einer Weise zu behandeln, die ihnen unnötige Schmerzen oder Leiden zufügt.

"Ich habe in letzten Jahren selten einen so brutalen Umgang mit Hähnchen gesehen. Die Tiere werden gepackt, kopfüber getragen, geworfen und sogar getreten. Hier werden fühlende Lebewesen behandelt wie Ware, die möglichst schnell aus dem Stall geschafft werden muss", sagt Peifer.



Für ANINOVA stehen die Aufnahmen in deutlichem Gegensatz zur Selbstdarstellung der PHW-Gruppe und ihrer Marke Wiesenhof. Der Konzern präsentiert sich beim Thema Tierwohl als verantwortungsbewusst und wirbt mit kontrollierter Haltung sowie Bildern seiner Vertragslandwirte. Gleichzeitig geriet Wiesenhof in der Vergangenheit immer wieder durch veröffentlichte Aufnahmen aus der Geflügelhaltung in die Kritik.


"Die heile Werbewelt von Wiesenhof hat mit dem, was wir auf diesen Bildern sehen, nichts zu tun. Lächelnde Landwirte mit einem Huhn auf dem Arm ändern nichts an der Realität in solchen Mastanlagen. Wer mit Tierwohl wirbt, muss sich daran messen lassen, wie mit den Tieren tatsächlich umgegangen wird", so Peifer.

ANINOVA veröffentlicht das aktuelle Bildmaterial heute auf der eigenen Webseite und den Social-Media-Kanälen. Die Organisation bringt ihre Kritik dabei bewusst zugespitzt auf den Punkt: "Wiesenhof war scheiße, Wiesenhof ist scheiße und Wiesenhof bleibt scheiße."


Für ANINOVA zeigen die Aufnahmen erneut, dass Tierleid nicht allein durch Kontrollen, Siegel oder Werbeversprechen beendet werden kann. "Wer dieses System nicht unterstützen möchte, kann sich ganz konkret entscheiden: Tiere gehören nicht auf den Teller. Eine vegane Lebensweise ist der konsequenteste Weg, dieses Tierleid nicht mitzufinanzieren", so Peifer abschließend.


Weitere Informationen zu dem Betrieb in Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta) hier und zu dem Betrieb in Deinste (Landkreis Stade) hier.


Foto- und Videomaterial steht für die redaktionelle Berichterstattung zur Verfügung.




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16. September 2026 | ID: 11909 | Artikel löschen |

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