Demo gegen "Dithmarscher Geflügel" in Seddiner See nach schweren Tierschutzvorwürfen angekündigt
Vor dem Geflügelschlachthof der Marke "Dithmarscher Geflügel" in Seddiner See (Landkreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg) soll es am 29. März 2026 eine Demonstration geben. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) hat eine Laufdemonstration angekündigt, die um 11:15 Uhr am Bahnhof Seddiner See beginnt und gegen 13:15 Uhr am Schlachthof Am Fuchsbau 24, 14554 Seddiner See endet. Erwartet werden rund 200 Teilnehmende.
Hintergrund der Demonstration ist der Verdacht von massiven Tierschutzverstößen in dem Betrieb. Ende Dezember hatte ANINOVA umfangreiches Bildmaterial veröffentlicht, das zwischen 08.11.2025 und 05.12.2025 mit versteckten Kameras im Schlachthof entstanden ist. Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie Enten und Gänse geschlagen, am Hals gewürgt oder grob an Kopf und Hals gerissen werden. Zudem sind Situationen dokumentiert, in denen Tiere kopfüber hängen, während Förderbänder stillstehen.
Die inzwischen abgeschlossene Auswertung des gesamten Materials umfasst 1.455 Stunden Videomaterial, darunter etwa 215 Stunden aus tierschutzkritischen Bereichen. Dabei wurden zahlreiche Übergriffe dokumentiert, die nach fachlicher Bewertung als mittel bis schwer einzustufen sind. In diesen Fällen wurden den Tieren länger anhaltende oder erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt. Die Handlungen erfüllen aus Sicht von ANINOVA den Tatbestand der Tierquälerei und sind als Straftaten zu bewerten.
Nach Veröffentlichung der Aufnahmen reagierten zahlreiche Handelsunternehmen. Mehrere Supermarktketten, darunter REWE, die Bünting-Gruppe, EDEKA und Kaufland, stellten die Belieferung aus dem Schlachthof vorerst ein. Zudem kündigte der Bundesverband Tierschutz die bislang bestehende Zertifizierung der Freilandhaltung des Unternehmens und untersagte dem Schlachthof, weiterhin mit dieser Zertifizierung zu werben.
Der Schlachthof selbst reagierte bislang lediglich mit begrenzten arbeitsrechtlichen Maßnahmen. Eine mitarbeitende Person wurde entlassen, eine weitere verwarnt und angewiesen, einen bestimmten Arbeitsbereich künftig nicht mehr zu betreten. Die Auswertung des Videomaterials zeigt jedoch, dass mindestens drei Mitarbeitende an Misshandlungen beteiligt waren. ANINOVA hat den Schlachthof um eine Stellungnahme geben, diese äußerte sich bisher allerdings nicht zu den Vorwürfen, bestätigte aber den Eingang der Anfrage.
Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch neue Aufnahmen aus einem Zulieferbetrieb für Enten. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch veröffentlichte Anfang des Jahres Bildmaterial aus dem Betrieb Nicolai & Ricardo Czaskowski GbR in Storkow (Brandenburg). Bereits in der Vergangenheit waren dort Tierschutzverstöße dokumentiert worden, die zu behördlichen Maßnahmen und einer Geldauflage führten. Das nun veröffentlichte Material zeigt erneut einen groben Umgang mit den Tieren bei der Verladung. Die betroffenen Enten werden anschließend zu dem Schlachthof nach Seddiner See transportiert. ANINOVA hat auch den Entenmastbetrieb um Stellungnahme geben. Doch sämtliche Versuche der Kontaktaufnahme per Post, Fax und Telefon scheiterten. Eine E-Mail blieb unbeantwortet.
Der Fall hat inzwischen auch eine politische Debatte ausgelöst. Nachdem die Aufnahmen aus dem Schlachthof öffentlich wurden, entfachte bundesweit erneut die Diskussion über Videoüberwachung in Schlachthäusern. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat daraufhin kürzlich einen Gesetzentwurf vorgestellt, der eine stärkere Videoüberwachung in Schlachtbetrieben vorsieht. Aus Sicht von ANINOVA greift dieser Ansatz jedoch zu kurz. "Eine Kamera löst nicht das grundlegende Problem eines Systems, in dem Tiere am Fließband getötet werden. Der vorgelegte Entwurf bleibt aus unserer Sicht unzureichend und nicht weitgehend genug", erklärt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA.
Die Demonstration am 29. März soll daher nicht nur auf die dokumentierten Missstände aufmerksam machen, sondern auch eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit Tieren anstoßen. "Schlachthäuser gehören zu den intransparentesten Orten unserer Gesellschaft. Es gibt keinen Tag der offenen Tür, keine Kita- oder Schulführungen durch Schlachthöfe. Ein Schlachthof ist kein schöner Ort - weder für Menschen und erst recht nicht für Tiere. Kein Tier geht freiwillig in einen Schlachthof", so Peifer.
Mit der Demonstration soll deshalb auch die grundlegende ethische Frage in den Mittelpunkt gerückt werden: Dürfen wir Tiere überhaupt mästen, transportieren, töten und essen?
Wer sicherstellen möchte, dass für das eigene Essen kein Tier leiden oder sterben muss, kann sich bewusst für eine vegane Lebensweise entscheiden.
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19. März 2026 | ID: 6954 | Artikel löschen |
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